Geschichte
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es erste Initiativen der Altherrenschaft des Unitas-Verbandes neben CV und KV auch den UV als katholischen Verband an der TH in Aachen zu etablieren. Ein Philisterzirkel in Aachen war schnell gegründet, doch die Gründung eines Aktivenvereins gestaltete sich schwieriger.
Neugründungen vollzogen sich zu jener Zeit, indem mehrere Bundesbrüder zugleich den Studienort wechselten und sich dann am neuen Ort zu einem Verein zusammenschlossen. Da zu diesem Zeitpunkt noch kein Unitas Verein an einer Technischen Hochschule etabliert war, wäre diese Möglichkeit nur gegeben gewesen, wenn sich einige Chemiestudenten zur Fortsetzung ihres Studiums an der TH Aachen entschlossen hätten. Die Einstellung der damaligen Universitätsstudenten sah zu jener Zeit die Technischen Hochschulen nicht als ebenbürtig an. So wurde erst im Mai 1911 ein Unitas Kränzchen von drei Studenten gegründet. Nachdem dieses weiter anwuchs, überraschte ein Anschlag am Schwarzen Brett der TH die Aktivitas, in dem es hieß, eine Vertretersitzung der Aachener Korporationen habe den Vorschlag angenommen bei Rektor und Senat vorstellig zu werden wegen des im Geheimen bestehenden Vereins „Unitas“. Was bisher mit oder ohne Absicht unterlassen worden war, musste jetzt schleunigst nachgeholt werden. So wurde ein Genehmigungsgesuch noch am selben Tag eingereicht. Sechs Wochen geschah nichts in Bezug auf diese Anmeldung. Da man aber mit einem günstigen Entscheid rechnete, wurde der Alte Herr Prof. Dr. Heinrich Schmitz in der Zwischenzeit als Ehrensenior ernannt. Man bemühte sich außerdem um ein Vereinsheim, sodass künftig ein Zimmer im Hotel Reichshof für Kneipen und Konvente zur Verfügung stand. Am 24. Juni wurde das Unitaskränzchen Aachen als Studentische Korporation genehmigt und so war mit der Unitas Aachen der erste Unitas-Verein an einer Technischen Hochschule ins Leben gerufen worden. Im folgenden Wintersemester konnten nun Vollwichs und Paradefahne angeschafft werden, nachdem der Verband ein Darlehen über 500 Mark (Heutiger Gegenwert ca. 3200€) für diese gewährt hatte. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges meldeten sich sämtliche fünfzehn Bundesbrüder der Unitas Aachen als Kriegsfreiwillige. Von Ihnen blieben sechs im Felde. Nur zwei Bundesbrüder kehrten nach dem Krieg nach Aachen zurück. Eine Wiederbelebung des Vereinsleben scheiterte zunächst. Erst ein Rundschreiben an die Aktiven und Alten Herren im Rheinland überzeugte vier Bundesbrüder von einem Wechsel nach Aachen. Mit Semester Abschluss WS19/20 hatte die Unitas Aachen schon zwanzig Aktive. Im SS21 waren es schon 45 Bundesbrüder. Dadurch wurde am 5. März 1921 eine Tochterkorporation gegründet und Assindia genannt. Die Mutterkorporation nahm den Namen Ripuaria an. Der Name „Assindia“ kam zustande, da ein Großteil der Gründungsmitglieder aus dem Ruhrgebiet kam und der Altherrenzirkel Essen eine großzügige Spende zugesagt hatte.
Der innerhalb des Unitas Verbandes schwelende Couleurstreit griff auch nach Aachen über. Die Frage, ob Farben getragen werden sollten, wurde Anlass heftiger Diskussionen. Die Unitas Ripuaria stellte beim Vorort einen Antrag durch ein Rundschreiben die Meinung innerhalb des Verbandes festzustellen. Durch die französische Besetzung des Rheinlandes wurde das Vereinsleben stark eingeschränkt und so flammten die Spannungen zwischen Ripuaria und Assindia im Sommersemester 1924 erneut auf. Der größte Teil der Ripuaria sah im Couleurtragen ein Mittel, um in der Öffentlichkeit stärker in Erscheinung zu treten. Deswegen beschloss die Ripuaria ohne Gegenstimme ihren Austritt aus dem Unitas-Verband und den Eintritt in den von weiteren aus dem UV ausgetretenen gegründeten Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften. Die Ripuaria existiert noch heute und ist seit dem Austritt aus dem RKDB in den 1980er Jahren Mitglied im Cartellverband. Die Tradition der Unitas Aachen führt seit dem Austritt die Unitas Assindia fort. Im WS 1927/28 erreichte die Assindia die Anerkennung des Gründungsdatums 24. Juni 1912 und nannte sich fortan wieder Unitas Aachen.
Im Oktober 1929 wurde Dank der Initaitive einiger Alter Herren ein Heimverein gegründet mit dem Ziel, ein eigenes Haus in Aachen zukaufen. Dieses Ziel wurde bereits am 12. Mai 1931 mit dem Kauf des Hauses am Veltmanplatz realisiert. Es bot Platz für 17 Aktivenzimmer.
Da der Unitas Verband sich bereits 1928 gegen den Antisemitismus ausgesprochen hat, geriet er schnell in das Fadenkreuz der Nationalsozialisten. Im Rahmen der Gleichschaltung wurde der Unitas Verband 1933 gezwungen das Führerprinzip einzuführen. Da 1934 konfessionelle Studentenverbände verboten wurden, öffnete man sich auch gläubigen protestantischen Studenten, behielt aber die katholischen Verpflichtungen bei. Die geforderte Selbstauflösung wurde 1935 abgelehnt und trotz des Verbots des demokratischen Organs der Generalversammlung wurde 1936 eine in Würzburg einberufen. Als einzige Korporationen nahmen die Münsteraner Unitas Vereine an der großen Prozession teil und widersetzten sich so auch öffentlichkeitswirksam dem Regime. 1938 fand die letzte Generalversammlung vor Kriegsende statt. Das Haus der Aachener Unitas musste im Februar 1938 unter hohem Durck und mit großem Verlust verkauft werden, um der drohenden Beschlagnahmung der Gestapo zuvorzukommen. Der Unitas Verband wurde schlussendlich als letzter Korporationsverband am 26. Juni durch die Gestapo als staatsfeindliche Organisation verboten und das Verbandsvermögen beschlagnahmt. Im zweiten Weltkrieg verloren einige Bundesbrüder in Konzentrationslagern oder durch Hinrichtung als Opfer von Terror ihr Leben. So auch der inzwischen selig gesprochene Georg Häfner, und die ebenfalls selig gesprochenen Johannes Prassek und Eduard Müller, die zur Gruppe der Lübecker Märtyrer gehörten.
Nach dem zweiten Weltkrieg konnte das Vereinsleben schnell wieder zum Laufen gebracht werden. Die Attraktivität der Technischen Hochschulen war für die Entwicklung der Unitas Aachen äußerst günstig. Bis 1952 war die Aktivitas so weit angewachsen, sidas eine zweite Untias-Korporation, die Unitas Silesia gegründet werden konnte. Die Mutterkorporation nahm wieder den Namen Unitas Assindia an.
Da die Mitgliedszahlen weiter zunahmen, wurde die Gründung eines dritten Aktivenvereins im Wintersemester 1953/54 notwendig. Am 14. Dezember wurde auf dem Vereinsfest zu Ehren der heilligen Maria Immaculata der Entschluss gefasst die Unitas Reichenstein zu gründen. Der Name wurde in Errinerung an das ehemalige Prämonstratenserkloster in der Eifel gewählt. Den Auftakt der Semesterarbeit bildete die Gründungskneipe am 14. Februar 1954. Auf dem Stiftungsfest des SS 1954 fand die feierliche und öffentliche Publikation unserer Reichenstein statt. Auf dem Festkommers konnten die Chargen den neuen Salonwichs anlegen und die fertiggestellte Fahne enthüllen. Ein weiterer herausragender Punkt in der Frühgeschichte der Unitas Reichenstein war die Aufnahme des Ministerpräsidenten a.D. des Landes Nordrhein-Westfalens und ersten Präsidenten des Bundesrates, Karl Arnold, der 1956 in den Kreis der Unitas als Ehrenphilister aufgenommen wurde. Da die Anzahl der Aktiven weiter anstieg, wurde im Sommersemester 1957 die Unitas Frankenburg als vierter Unitas Verein in Aachen gegründet
Der Blüte der Unitas Vereine in der 50er und Anfang der 60er Jahre folgten auch manche bitteren Jahre. 1964 konnte das heutige Hans Stumpf Haus in der Försterstraße 10 erworben werden. Zur Zeit der außerparlamentarischen Opposition war es schwer geworden Studenten vom Korporationswesen zu begeistern und der Aktivenverein der Unitas Silesia überlebte diese Zeit nicht. Am schnellsten von diesen mageren Jahren erholte sich die Unitas Assindia in den siebziger Jahren. Sie holten nicht nur die 101. Generalversammlung des Unitas-Verbandes nach Aachen, die sie vollkommen unter den Europagedanken stellten. Außerdem übernahm mit Hermann-Josef Großimlinghaus als Vorortspräsident ein Aachener für ganze drei Jahre dieses Amt. Dies ist weder davor noch danach jemals wieder geschehen. In den 80er-Jahren wuchs auch die Unitas Reichenstein wieder beträchtlich an und das Interesse der Aktiven am altstudentischen Brauchtum stieg, sodass gegenüber der Altherrenschaft der Wunsch geäußert wurde einen Vollwichs anzuschaffen. Der Wunsch fand großen Anklang und bereits nach wenigen Monaten konnte dieser angeschafft werden. Pünktlich zum 30-jährigen Bestehen konnte dieser auf einer Jubelkneipe präsentiert werden. Die 80er Jahre waren geprägt vom gegenseitigen Besuch der drei Aachener Unitasvereine auf ihren Veranstaltungen und einem aktiven Vereinsleben. Die Reichenstein und Assindia wechselten sich dabei ab, wer gerade zahlenmäßig stärker war, während die Frankenburg stets der kleinste Verein war.
Im Laufe der Geschichte wurde immer wieder das Thema Frauenvereine diskutiert. So wurde in den 50 Jahren nach einigen satzungswidrigen Aufnahmen von Studentinnen noch beschlossen, dass nur männliche Studenten Mitglieder in Unitas-Vereinen sein können. Das Thema war damit noch lange nicht abgeschlossen. So kochte es in den 70er und 80er Jahren immer wieder hoch und es wurde 1991 ein Assoziierungsvertrag mit fünf Damenvereinen geschlossen und diese wurden 1996 mit knapper Mehrheit in den Verband aufgenommen. Seitdem sind im Unitas Verband sowohl Damen- und Herrenvereine als gleichberechtigte Mitglieder vertreten. Trotzdem bot die Aufnahme noch einigen Zündstoff. Während dieser schwierigen Zeit versuchten die Aachener Unitasvereine Assindia, Reichenstein und Frankenburg gemeinsam den Vorort des Verbandes zu übernehmen. Nach der Verbandssatzung wäre dies eigentlich nicht möglich gewesen, da nach Satzung nur ein einzelner Verein den Vorort des Verbandes übernehmen durfte. Deswegen wählte man den Namen „Unitas Aachen“ als Bezeichnung. Diese gemeinsame Übernahme der Vorortsgeschäfte war ein wichtiges Zeichen für die Einheit und das Verbindende im UV. Obwohl die drei Vereine alle ihre Eigenheiten hatten und sowohl neustudentisch als auch altstudentisch ausgerichtet waren, übernahmen sie zusammen das wichtigste Organ des Verbands. Der Reichensteiner Johannes Schmitz übernahm so 1998/99 das Amt des Vorortpräsidenten und die Vorortsstandarte im Krönungssaal des Aachener Rathauses zu Musik des Musikkorps der Bundeswehr – es sollte über das Amtsjahr der pragmatische Aachener Geist in den Verband eingebracht werden und gezeigt werden, dass auch drei unterschiedliche Vereine mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Traditionen konstruktiv zusammenarbeiten und an einem gemeinsamen Strang ziehen können. Auch die Unterstützung aus der Altherrenschaft und die Mitarbeit aller Aktiven war in diesem Jahr überragend.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends kamen die Aachener Unitas Vereine leider wieder in personelle Schieflagen, weshalb die Unitas Frankenburg letzendlich suspendieren musste. Auch die Reichenstein war nur dünn besetzt und es kam zu Überlegungen, mit der deutlich stärkeren Assindia zu fusionieren. Dank den Bemühungen der verbliebenen Aktivitas und Altherrenschaft könnte dies jedoch gemeinsam verhindert werden und man konnte sich wieder stabilisieren. Im Jahr 2014 konnte der Aktiventag des Unitas-Verbandes unter der Schirmherrschaft der personell gut aufgestellten Assindia in Aachen ausgerichtet werden.
Vor der Corona-Pandemie drehten sich die Aktivenzahlen wieder um und die Reichenstein wurde zahlenmäßig stärker als die Assindia – dieses Verhältnis wurde durch das durch die Corona Pandemie eingeschränkte Vereins- und Studienleben nur noch verstärkt, so dass sich die Assindia nicht erneut aufraffen konnte.
2022 bewarb man sich erneut um den Vorort des UV, unterlag aber knapp gegen die Unitas Elisabetha Thuringia an der Wahlurne, nachdem diese ein Jahr lang ihre Kandidatur vorbereitet hatten. Dafür konnte im Jahr 2024 erneut der Aktiventag des Unitas-Verbandes in Aachen, dieses Mal durch die Reichenstein, ausgerichtet werden. Die Reichenstein überwand mit dem neun Füxen umfassenden Fuxenjahrgang 2025 einen großen Generationenwechsel und kann nun gestärkt in die Zukunft schauen.
Sie trägt das Erbe und die Traditionen der Unitas in Aachen fort und freut sich über die häufigen Besuche ihrer Altherrenschaft, von Unitariern und Couleurstudenten auf dem Hans-Stumpf-Haus.